Typische Cyberbedrohungen in der Landtechnik
- Remote Access bei vernetzten Maschinen: Unbefugter Fernzugriff auf Traktoren oder Mähdrescher kann zur Manipulation von Fahrzeugeinstellungen (z.B. Dosierung von Pflanzenschutzmitteln, Fahrgeschwindigkeit), zum Diebstahl sensibler Betriebsdaten oder zur Lahmlegung der Maschine führen.
- GPS-Spoofing und -Jamming: Die Manipulation von Positionsdaten kann bei Präzisionslandwirtschaftsanwendungen zu massiven Ernteausfällen, falscher Aussaat oder ineffizienter Düngung führen.
- Sabotage autonomer Feldroboter: Autonome Systeme sind auf korrekte Sensorik und Steuersignale angewiesen. Eine Kompromittierung kann zu Fehlverhalten, Kollisionen oder Zerstörung von Anbauflächen führen.
- Datendiebstahl und -manipulation: Ertragsdaten, Bodendaten, Maschinenkonfigurationen – diese Informationen sind wertvoll und ein begehrtes Ziel für Angreifer.
- Manipulation von Software-Updates: Eingeschleuste Malware über unsichere Update-Prozesse kann die Kontrolle über ganze Flotten ermöglichen.
Hier wird deutlich: „Klassische Safety“, also die funktionale Sicherheit, die sich primär mit dem Schutz vor Fehlfunktionen und Ausfällen beschäftigt, reicht nicht mehr aus. Cybersecurity adressiert die absichtliche Manipulation durch Angreifer und erfordert einen eigenen, spezialisierten Ansatz.
Der Agrarsektor ist Teil der kritischen Infrastruktur – Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit haben oberste Priorität. Genau hier setzt ISO 24882 an: Sie berücksichtigt die Betriebserhaltung explizit.
Worauf Hersteller achten müssen im Kontext der ISO 24882
Die ISO 24882 fordert von Herstellern, Cybersicherheit als integralen Bestandteil des gesamten Produktlebenszyklus zu betrachten – von der Konzeption über die Entwicklung und Produktion bis hin zur Wartung und Außerbetriebnahme. Zentrale Aspekte sind:
- Cybersecurity Management System (CSMS) etablieren: Analog zu den Anforderungen in der Automobilindustrie (gemäß ISO/SAE 21434), müssen Organisationen Prozesse und Verantwortlichkeiten für das Management von Cybersecurity-Risiken definieren und umsetzen. Dies umfasst Risikoanalysen, Sicherheitskonzepte, Teststrategien und Incident Response Pläne.
- Risikoanalysen (z.B. TARA) durchführen: Ein systematisches Threat Analysis and Risk Assessment (TARA) ist unerlässlich, um potenzielle Bedrohungen und Schwachstellen zu identifizieren und deren Risiken zu bewerten. Daraus leiten sich konkrete Sicherheitsmaßnahmen ab.
- Sicherheitsanforderungen entlang des Produktlebenszyklus: Von Secure Coding Practices in der Softwareentwicklung über abgesicherte Kommunikationsschnittstellen bis hin zu sicheren Over-the-Air (OTA) Update-Mechanismen (Software Update Management System, SUMS) – vor allem bei OTA wissen wir aus der Praxis, dass Updates durchaus während des Feldeinsatzes aufgespielt werden können, was zu ungeplanten Maschinenstillständen führen kann – mit teils gravierenden betrieblichen Folgen. Sicherheit und Verfügbarkeit müssen gleichzeitig berücksichtigt werden.
- Dokumentations- und Nachweispflichten: Die Norm verlangt eine umfassende Dokumentation der durchgeführten Analysen, getroffenen Maßnahmen und verifizierten Sicherheitseigenschaften. Dies dient nicht nur der internen Qualitätssicherung, sondern auch als Nachweis gegenüber Dritten.
- Kompetenzaufbau und Sensibilisierung: Mitarbeitende müssen für Cybersecurity-Themen geschult und sensibilisiert werden, um Sicherheitsaspekte in ihrer täglichen Arbeit berücksichtigen zu können.
Unsere Erfahrung aus der Automotive-Welt für die Landtechnik
Als msg verfügen wir über langjährige und tiefgreifende Erfahrung in der Zusammenarbeit mit führenden Automobil- und Nutzfahrzeugherstellern (OEMs) sowie Zulieferern. Wir haben die Evolution der Fahrzeugsoftware und die wachsenden Anforderungen an funktionale Sicherheit und Cybersecurity von Beginn an begleitet und mitgestaltet.
Dieses Know-how übertragen wir passgenau auf die Anforderungen der ISO 24882 in der Landtechnik:
Bewährte Methoden wie TARA, HARA (Hazard Analysis and Risk Assessment), Secure Coding Guidelines, Model-Based Systems Engineering (MBSE), einem modellbasierten Entwicklungsansatz zur Spezifikation sicherer Systeme, oder die Implementierung robuster CSMS- und SUMS-Prozesse sind Teil unseres Leistungsportfolios.
Wir verstehen die Komplexität moderner Fahrzeugarchitekturen, wissen, wie man Sicherheit systematisch und effizient integriert, ohne die Innovationsgeschwindigkeit zu bremsen, und blicken auf erfolgreiche Audits, die wir mit unseren Kunden vorbereitet haben, zurück.