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Digitale Souveränität: Klar sehen, souverän entscheiden mehr erfahren

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Digitale Souveränität im DACH Raum

Von Regulierung zur politischen Gestaltungsaufgabe

Digitale Souveränität: Vom regulatorischen Rahmen zum politischen Gestaltungsanspruch

Angesichts der aktuellen Weltlage rückt das Thema der digitalen Souveränität für politische Entscheidungsträger in ganz Europa zunehmend in den Vordergrund. Bislang stand vor allem das Themenfeld der digitalen Sicherheit im Mittelpunkt der europäischen Digitalpolitik. Mit Regelwerken wie der NIS2-Richtlinie zur Cybersicherheit, der DSGVO zum Schutz personenbezogener Daten, der Produkthaftungsrichtlinie, dem KI-Act zur Regulierung künstlicher Intelligenz oder dem Cyber-Resilience-Act zur IT-Produktsicherheit wurden in den vergangenen Jahren umfassende regulatorische Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene geschaffen.

Diese Regelwerke prägen die Digitalpolitik innerhalb der Europäischen Union unmittelbar und dienen zugleich als Orientierungspunkte im europäischen Digitalraum, die über deren Grenzen hinauswirken. Auch Staaten wie die Schweiz, die politisch und wirtschaftlich eng mit der EU verflochten sind, setzen sich in ihren eigenen digitalpolitischen Debatten mit ähnlichen Fragestellungen auseinander. Dabei standen Aspekte der digitalen Souveränität lange Zeit jedoch nur am Rande und wurden selten ausdrücklich als eigenständige politische Zielsetzung formuliert.

Durch die angespannte internationale politische Lage rückt zunehmend die Frage der unabhängigkeit staatlicher digitaler Infrastrukturen und Datenräume in den Mittelpunkt politischer Vorhaben. In diesem Zusammenhang entwickeln Regierungen und Organisationen zahlreiche Strategien, Positionspapiere und Initiativen, die aufzeigen, was „digitale Souveränität“ bedeutet, wie sie messbar gemacht werden kann und welche Rolle sie für Unternehmen und Verwaltung spielt.

Das Thema ist nicht neu. Bereits 2017 definierte Gabriele Goldacker digitale Souveränität als „Summe aller Fähigkeiten und Möglichkeiten von Individuen und Institutionen, ihre Rolle(n) in der digitalen Welt selbstständig, selbstbestimmt und sicher ausüben zu können”.1 In dieser Definition steckt bereits der Kern der aktuellen Debatte: Souveränität ist kein technisches Feature, sondern ein politischer Anspruch. Er stellt die Frage, wer entscheiden und gestalten kann – und wer im Zweifel abhängig wird.

Digitale Souveränität als Kernfrage staatlicher Handlungsfähigkeit

Digitale Souveränität kann zunehmend als politische Kategorie verstanden werden, da sie die Substanz staatlicher Steuerungsfähigkeit betrifft. In einer Welt, in der zentrale digitale Infrastrukturen, Plattformen, Software-Ökosysteme und Standards oft außerhalb Europas entwickelt oder kontrolliert werden, stellen sich die Fragen nach Kontrolle, Verfügbarkeit und Einfluss neu. Wer betreibt die kritischen Komponenten? Wer bestimmt die Weiterentwicklung? Wer kann Zugänge beschränken, Dienste einstellen oder Preise diktieren? Wer hat Zugriff auf welche Daten? Und wie lassen sich demokratische, rechtsstaatliche und wirtschaftliche Interessen in einem digital geprägten Machtgefüge durchsetzen?

Diese Debatte ist insbesondere im DACH-Raum von großer Relevanz. Deutschland, Österreich und die Schweiz teilen zwar zentrale Werte wie Rechtsstaatlichkeit und Datenschutz sowie hohe Erwartungen an öffentliche Leistungen, unterscheiden sich jedoch in ihrer Verwaltungskultur und Staatsorganisation. Gerade diese Vielfalt macht deutlich, dass digitale Souveränität nicht „one size fits all“ ist. Sie muss politisch gerahmt und institutionell verankert werden – und zwar so, dass dies in föderalen wie in zentraleren Strukturen gleichermaßen tragfähig bleibt.

Souveränität ist nicht Autarkie: Abhängigkeiten bewusst gestalten

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist die Auslegung von digitaler Souveränität als vollständige Unabhängigkeit von ausländischer Technologie. Doch Souveränität in einer vernetzten Welt bedeutet nicht zwangsläufig Autarkie. Politisch tragfähiger ist ein anderes Verständnis: Digitale Souveränität heißt, Abhängigkeiten bewusst zu gestalten, statt sie unbemerkt wachsen zu lassen.

Politisch relevant ist dabei, dass Souveränität nicht nur ein IT-Thema ist. Sie betrifft Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz, Rechtsdurchsetzung, Demokratie und im Kern die Fähigkeit, öffentliche Interessen gegenüber Markt- und Machtlogiken zu behaupten. Wenn digitale Souveränität ein politischer Anspruch ist, muss daraus eine Erweiterung des politischen Instrumentariums folgen. Regulierung bleibt wichtig, doch sie reicht nicht aus. Digitale Souveränität verlangt neben der „Schutzlogik” der Regulierung eine Gestaltungslogik. Politik wird (wieder) aktiver Mitgestalter digitaler Strukturen.

Das zeigt sich in mehreren Feldern:

 

Innovation

Industrie‑ und Innovationspolitik

Förderung von Schlüsseltechnologien, europäischen Ökosystemen und interoperablen Standards.

Standards

Standardsetzung und Interoperabilität

Standards sind Politik mit anderen Mitteln – sie definieren Marktmechanismen, Lock‑in‑Risiken und Austauschbarkeit.

Beschaffung

Beschaffungs‑ und Vergabepolitik

Öffentliche Beschaffung wirkt wie ein Hebel für Marktentwicklung. Sie kann Souveränitätsanforderungen (z. B. Transparenz, Datenhoheit, Interoperabilität) systematisch einfordern.

Kompetenzaufbau

Kompetenzaufbau im öffentlichen Sektor

Ohne eigene Steuerungs‑ und Architekturkompetenz bleibt Souveränität ein Papierziel.

Genau das ist in der Praxis die politische Herausforderung. Digitale Souveränität ist kein „weiteres Ziel“, sondern ein Querschnittsprinzip. Sie verändert die Art, wie digitale Entscheidungen getroffen werden, und damit auch die Kriterien, nach denen Erfolg definiert wird.

Die DACH‑Perspektive: Gemeinsame Werte, unterschiedliche Wege

Digitale Souveränität ist im DACH-Raum politisch besonders anspruchsvoll, weil hier mehrere Logiken zusammenkommen: föderale Strukturen (vor allem in Deutschland), hohe Erwartungen an Datenschutz und Compliance, eine starke Rolle des öffentlichen Sektors und zugleich ein intensiver wirtschaftlicher Austausch in Europa.

In Deutschland wird digitale Souveränität häufig im engen Zusammenhang mit föderaler Koordination, kritischen Infrastrukturen und europäischer Digitalpolitik diskutiert. Österreich bringt eine stärker zentralisierte Verwaltungsperspektive ein, die vor allem auf Umsetzungsfähigkeit, Standardisierung und Effizienz abzielt.2 Die Schweiz hat eine ausgeprägte Tradition der Eigenständigkeit und des pragmatischen Interessenausgleichs. Sie betrachtet digitale Souveränität in enger Verbindung mit Fragen des Datenschutzes, der Resilienz digitaler Infrastrukturen sowie der Sicherung wirtschaftlicher Offenheit und Wettbewerbsfähigkeit.3

Die Gemeinsamkeit ist, dass überall das Bewusstsein wächst, dass digitale Souveränität nicht „nebenbei“ entsteht. Sie muss politisch gesteuert werden – und zwar so, dass sie langfristig tragfähig ist, auch wenn der Krisendruck nachlässt.

Staatliche Handlungsfähigkeit im digitalen Raum – Public Sector und Beratung als Übersetzer politischer Zielbilder

Der öffentliche Sektor steht im Zentrum dieser Entwicklung – nicht, weil er „mehr IT“ betreibt, sondern weil er die Verantwortung trägt, demokratische und rechtsstaatliche Interessen in der digitalen Welt zu sichern. Gleichzeitig wird an Staat und Verwaltung die Erwartung herangetragen, Leistungen möglichst niedrigschwellig, digital und automatisiert anzubieten. Verwaltungen sind somit nicht nur Nutzer digitaler Lösungen, sondern prägen durch ihre Entscheidungen auch Märkte, Standards und Erwartungshaltungen.

Politisch betrachtet bedeutet dies, dass digitale Souveränität zu einem Bestandteil moderner Staatskunst geworden ist. Sie entscheidet darüber, ob der Staat seine Aufgaben unter digitalen Rahmenbedingungen zuverlässig erfüllen kann – vom Verwaltungsvollzug über Bildung und Gesundheit bis hin zu Sicherheit und Krisenmanagement.

Zugleich sehen sich Verwaltungen häufig mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert: historisch gewachsene IT-Landschaften, Fachkräftemangel, komplexe Zuständigkeiten und hohe Compliance-Anforderungen. Gerade deshalb braucht digitale Souveränität eine realistische politische Übersetzung. Diese sollte nicht als Maximalforderung, sondern als leitende Entscheidungslogik verstanden werden, die Schritt für Schritt in Governance, Architektur und Beschaffung verankert wird.

In der Praxis entsteht zwischen politischen Zielbildern und administrativer Realität häufig eine Lücke. Während konkrete Entscheidungen unter Zeitdruck, Budgetrestriktionen und operativen Zwängen getroffen werden, bleiben Strategien abstrakt. Genau hier gewinnt die Rolle spezialisierter Beratung im Public Sector an Bedeutung – nicht als „Zusatz“, sondern als Übersetzungsinstanz zwischen Politik, Verwaltung und Technologie.

Gefragt sind Partner, die digitale Souveränität nicht nur technisch interpretieren, sondern als strategischen Handlungsrahmen verstehen. Sie müssen Zielkonflikte sichtbar machen, Entscheidungsoptionen strukturieren und Kriterien entwickeln, nach denen öffentliche Institutionen langfristig handlungsfähig bleiben. Kurz gesagt: Beratung wird dann wertvoll, wenn Souveränität nicht als Schlagwort, sondern als konsequentes Leitprinzip für Steuerung und Gestaltung behandelt wird.

In diesem Kontext positioniert sich die msg Gruppe als inhabergeführtes, unabhängiges deutsches Familienunternehmen, das über besondere Expertise im Bereich digitaler Souveränität verfügt. Diese Unabhängigkeit ist dabei mehr als ein Selbstverständnis – sie ist ein relevanter Faktor bei der vertrauensvollen Begleitung öffentlicher Institutionen in strategisch sensiblen Fragen. Souveränität erfordert Klarheit, Transparenz und langfristige Perspektiven. Das fachliche Know-how im Kontext digitaler Souveränität setzt die msg im gesamten DACH-Raum in die Praxis um – mit dem Anspruch, politische Zielsetzungen digitaler Handlungsfähigkeit in tragfähige Entscheidungen und Strukturen zu übersetzen.

Fazit: Digitale Souveränität ist politische Verantwortung – und ein langfristiges Programm

Digitale Souveränität ist weder ein kurzfristiger Trend noch ein rein technisches Qualitätsmerkmal. Sie betrifft grundlegende Fragen staatlicher Handlungsfähigkeit, demokratischer Steuerung und gesellschaftlicher Selbstbestimmung. In einer zunehmend fragmentierten internationalen Ordnung wird sie zu einer Schlüsselaufgabe politischer Entscheidungsträger – auch und gerade im DACH-Raum.

Es wird entscheidend sein, digitale Souveränität nicht nur als Reaktion auf Krisen zu begreifen, sondern als dauerhaftes Ordnungsprinzip digitaler Politik. Dies erfordert eine Erweiterung der Perspektive von der Regulierung hin zur aktiven Gestaltung durch Standards, Beschaffung, Kompetenzaufbau und strategische Steuerung. Und es braucht Akteure, die dabei helfen, abstrakte Zielbilder in belastbare Entscheidungen zu übersetzen.

Am Ende ist digitale Souveränität ein Versprechen, dass Staaten, Verwaltungen und Gesellschaften ihre Rolle in der digitalen Welt selbstbestimmt, sicher und handlungsfähig ausüben können. Dieses Versprechen einzulösen, ist eine politische Aufgabe – und zugleich eine gemeinsame Verantwortung von Politik, öffentlichem Sektor und verantwortungsvoll agierenden Partnern.

Digitale Souveränität im Public Sector DACH

Verantwortung für eine digitale und souveräne Zukunft

Unabhängige Beratung ist der Schlüssel zu digitaler Gestaltungsfreiheit. Unsere gebündelte Expertise im DACH-Raum vereint vielfältige Perspektiven auf souveräne IT-Strategien und deren erfolgreiche Umsetzung. Hier finden Sie Fachartikel, Experteneinblicke  und Use Cases aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit konkreten Ansätzen, wie Verwaltungen technologische Abhängigkeiten minimieren und ihre Datensouveränität langfristig sichern können. 

Jetzt tiefer eintauchen und Handlungsfähigkeit sichern

1 Goldacker, Gabriele: „Digitale Souveränität“; abrufbar unter: https://www.oeffentliche-it.de/publikationen/digitale-souveraenitaet/Digitale%20Souver%C3%A4nit%C3%A4t.pdf 

2 Edelmann, Noella / Mergel, Ines: „The Implementation of a Digital Strategy in the Austrian Public Sector“; in: Proceedings of the 23rd International Conference on Digital Government Research (dg.o), ACM 2022; abrufbar unter: https://kops.uni-konstanz.de/server/api/core/bitstreams/1ab4a0e2-38f4-4f5d-a3fa-e172f49898cb/content  

3 Benhamou, Yaniv / Bernard, Frédéric / Durand, Cédric: „Digital Sovereignty in Switzerland: the laboratory of federalism“; in: Risiko & Recht, Nr. 01/2023, S. 65–101; abrufbar unter: https://access.archive-ouverte.unige.ch/access/metadata/bbf62d17-891e-46e4-bde8-5666dda99237/download