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Digitale Souveränität: Klar sehen, souverän entscheiden mehr erfahren

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Interoperabilität als Schlüssel moderner Verteidigung

Warum gemeinsame Lagebilder über Führungsfähigkeit entscheiden

Digitale Verteidigung braucht vernetzte Informationsräume

Die Sicherheits- und Verteidigungsarchitektur Deutschlands befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, u.a. klargemacht durch den Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU). Hybride Bedrohungen, Angriffe auf Kritische Infrastrukturen (KRITIS), Cyberoperationen feindlicher Organisationen sowie die zunehmende Komplexität multinationaler und ressortübergreifender Einsätze stellen neue Anforderungen an die Zusammenarbeit von Bundeswehr, Behörden, Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) und Betreibern Kritischer Infrastrukturen sowie sicherheitskritischer Industrien und Dienstleistern.

Im Zentrum dieser Entwicklung steht die Fähigkeit, Informationen schnell, sicher und zielgerichtet zwischen diesen unterschiedlichen Organisationen auszutauschen. Denn moderne Krisen- und Verteidigungsszenarien machen nicht an Ressort- oder Organisationsgrenzen halt. Vielmehr entsteht operative Handlungsfähigkeit dort, wo Informationen zusammengeführt, verstanden und in Entscheidungen überführt werden können.

Die Bedeutung dieses Themas wurde auch auf der Innovationstagung Cyber/IT 2026 im Rahmen der CODE-Jahrestagung an der Universität der Bundeswehr München deutlich. Aus mehr als 50 eingereichten Innovationen wurde das Konzept „MDO: Vernetzung von Bundeswehr, KRITIS und BOS für ein Echtzeit-Lagebild“ und der passende Proof-of-Concept-Demonstrator mgs.Relais von unserem Experten Felix Wang (Senior Business Consultant) ausgezeichnet und erreichte den dritten Platz. Die Prämierung erfolgte durch eine hochrangig besetzte Jury unter Beteiligung des Zentrums für Digitalisierung der Bundeswehr, des BAAINBw, des Bundesministeriums der Verteidigung sowie des Forschungsinstituts CODE.

Diese Auszeichnung ist weit mehr als ein Wettbewerbserfolg. Sie verdeutlicht die strategische Relevanz einer Fragestellung, die zunehmend über die Leistungsfähigkeit moderner Sicherheitsstrukturen entscheidet: Wie können Informationen organisationsübergreifend nutzbar gemacht werden, ohne dabei Souveränität, Sicherheit oder Datenhoheit zu gefährden?

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Teamleiter Felix Wang (Senior Business Consultant, Defense & Aerospace)

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v.l.n.r.: Alexander Schott (Direktor Forschung und Innovation des BMVg), Felix Wang, Prof. Dr. mont. Dr.-Ing. habil. Eva-Maria Kern (Präsidentin der UniBwM) und Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Hommel (Leitendender Direktor des FI CODE)

Wenn Informationen nicht dort ankommen, wo sie benötigt werden

In den vergangenen Jahren wurden sowohl im militärischen als auch im zivilen Umfeld erhebliche Investitionen in digitale Führungs-, Lage- und Informationssysteme getätigt. Dennoch bleibt eine zentrale Herausforderung bestehen: Die verschiedenen Systeme sprechen häufig nicht dieselbe Sprache.

Bundeswehr, Polizei, Feuerwehr, THW, Leitstellen und KRITIS-Betreiber verfügen jeweils über spezialisierte Anwendungen, Prozesse und Datenmodelle. Diese Systeme erfüllen ihre jeweiligen Aufgaben hervorragend, wurden jedoch meist für den Einsatz innerhalb ihrer eigenen Domäne entwickelt.

Die Folge sind Medienbrüche, manuelle Informationsübertragungen und aufwendige Abstimmungsprozesse. Informationen müssen mehrfach erfasst, interpretiert oder in andere Formate übertragen werden. Gerade in zeitkritischen Lagen entstehen dadurch Verzögerungen und zusätzliche Komplexität.

Dies wurde im Rahmen der CODE-Präsentation anhand eines beispielhaften Krisenszenarios veranschaulicht: Eine verdächtige Drohne wird in der Nähe eines Kraftwerks festgestellt; kurz darauf kommt es zu einem Kraftwerksausfall, sodass ein möglicher Zusammenhang zwischen Aufklärung, Sabotage oder technischer Störung geprüft werden muss. Dadurch entsteht eine Lage, in der Polizei, Feuerwehr, THW und Bundeswehr parallel eingebunden sind und zahlreiche Informationen vorliegen, diese jedoch nicht automatisch organisationsübergreifend genutzt werden können. Als zentrale Herausforderungen wurden fragmentierte Softwarelandschaften, manuelle Medienbrüche und sicherheitsbedingte Informationssilos identifiziert.

Gerade im Kontext von Multi-Domain Operations (MDO) und ressortübergreifende Gesamtverteidigung wird deutlich, dass die Verfügbarkeit einzelner Informationen allein nicht ausreicht. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, ein gemeinsames Verständnis der Lage zu schaffen und dieses organisationsübergreifend aktuell zu halten.

Gemeinsame Lagebilder als Voraussetzung für schnelle Entscheidungen

Ein modernes Lagebild ist weit mehr als eine digitale Karte oder die Zusammenführung geografischer Informationen. Es bildet die Grundlage für Führungsfähigkeit, Koordination und Entscheidungsfindung. Insbesondere in komplexen Krisen- und Verteidigungsszenarien müssen unterschiedliche Akteure ihre Erkenntnisse in einen gemeinsamen Kontext einordnen können. Nur so lassen sich Abhängigkeiten erkennen, Prioritäten setzen und Maßnahmen wirksam koordinieren. Dabei kommt es nicht allein auf die Geschwindigkeit der Informationsübermittlung an. Ebenso wichtig ist die Frage, ob die Informationen durch den Empfänger überhaupt verstanden werden können. Unterschiedliche Datenmodelle, Standards und Fachsprachen stellen hierbei häufig eine größere Hürde dar als die eigentliche technische Übertragung. Genau an dieser Stelle gewinnt der Begriff der Interoperabilität eine neue Bedeutung. Es geht nicht nur darum, Daten zwischen Systemen zu bewegen. Es geht darum, Bedeutung, Kontext und Lageinformationen organisationsübergreifend nutzbar zu machen.

Die zunehmende Relevanz dieses Themas spiegelte sich auch im Leitthema der CODE-Tagung wieder: „Kryptographie als strategischer Schlüssel digitaler Verteidigung“. Ein ressort- und domänenübergreifender Informationsaustausch darf niemals zu Lasten der IT-Sicherheit oder der Kontrolle über sensible Daten gehen. Kryptographie ist dabei kein isoliertes Schutzmerkmal, sondern die Grundvoraussetzung, um Lageinformationen selbst über unsichere Transportnetze vertrauenswürdig auszutauschen.

Interoperabilität ohne Systembruch

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Die Antwort auf diese Herausforderung liegt nicht zwangsläufig im Ersatz bestehender Systeme. Vielmehr zeichnet sich zunehmend ein Ansatz ab, bei dem vorhandene Lösungen erhalten bleiben und über standardisierte Vermittlungsmechanismen miteinander verbunden werden. Die im Rahmen der Innovationstagung ausgezeichnete Lösung msg.Relais verfolgt genau diesen Weg. Der Ansatz ermöglicht die sichere und automatisierte Vernetzung von Bundeswehr, BOS und KRITIS zur Erstellung eines gemeinsamen fast zeitgleichen Lagebildes. Ziel ist es, unterschiedliche Führungs- und Lageinformationssysteme nicht nur technisch miteinander zu verbinden, sondern Informationen systemübergreifend verständlich und nutzbar zu machen.

Im Zentrum steht dabei die Idee einer souveränen Lösung, die Daten zwischen verschiedenen Standards automatisch übersetzt und Informationen in Near Real-Time bereitstellt. Bestehende Systeme können weiterhin in ihrer gewohnten Umgebung betrieben werden, während die notwendige Übersetzungs- und Integrationslogik im Hintergrund erfolgt. Anstatt bestehende Einstufungs- und Sicherheitsgrenzen aufzuweichen, setzt msg.Relais dabei auf eine kryptographische Zero-Trust-Architektur. Die Identitätsprüfung und Rechtevergabe erfolgen dezentral und digital signiert, ohne dass vertrauliche Schlüssel zentral gespeichert werden müssen.

Gleichzeitig ermöglicht msg.Relais die Datenhoheit aller beteiligten Akteure nach dem Prinzip „Meet clients where they are“: Über eine granulare Subject-Grammatik behält jeder Dateneigentümer die uneingeschränkte Hoheit über seine Daten. Kein Akteur muss seine internen Datenmodelle offenlegen; es wird stets nur das gezielt gefilterte und freigegebene Lagefragment übertragen. In Verbindung mit dem vollständig eigenbetriebenen Plattformansatz schafft msg.Relais somit die notwendige digitale Souveränität für eine krisenfeste Zusammenarbeit.

Dieses Prinzip adressiert einen wesentlichen Erfolgsfaktor digitaler Transformation in sicherheitskritischen Umgebungen: Interoperabilität darf nicht bedeuten, funktionierende Strukturen grundlegend zu ersetzen. Sie muss bestehende Fähigkeiten durch intelligente Vernetzung ergänzen. Gleichzeitig entsteht dadurch ein entscheidender Mehrwert für die Anwender. Einsatzkräfte, Lagezentren und Führungsorganisationen können weiterhin mit ihren etablierten Werkzeugen arbeiten, erhalten jedoch Zugriff auf relevante Informationen aus anderen Domänen. Dadurch wird die Zusammenarbeit verbessert, ohne zusätzliche Komplexität in die Bedienung einzuführen.

Von der Idee zur ausgezeichneten Innovation

Innovationen entfalten ihren Wert erst dann, wenn sie reale Herausforderungen adressieren. Der Erfolg von msg.Relais auf der Innovationstagung Cyber/IT 2026 zeigt, dass die Themen Interoperabilität, Informationsresilienz und digitale Souveränität inzwischen zu den zentralen Herausforderungen des Verteidigungs- und Sicherheitssektors zählen. Die Auszeichnung erfolgte vor einem Fachpublikum aus Militär, Wissenschaft und Industrie. Der damit verbundene Vertrauensvorschuss bestätigt die Relevanz des Ansatzes für zukünftige Digitalisierungs- und Interoperabilitätsvorhaben.

Der Erfolg ist zugleich das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen fachlicher Expertise und technologischer Innovationskraft. Das Entwicklungsteam um Felix Wang, Susanne Yigitce, Uri Selich und Christian Glasmachers hat innerhalb kürzester Zeit einen Demonstrator geschaffen, der die technische Machbarkeit eines gemeinsamen, organisationsübergreifenden Lagebildes eindrucksvoll unter Beweis stellt. Damit steht weniger eine einzelne Softwarelösung im Mittelpunkt als vielmehr die Erkenntnis, dass moderne Sicherheitspolitik neue Formen der digitalen Zusammenarbeit benötigt.

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v.l.n.r.: Christian Glasmachers (msg Industry Solutions), Felix Wang, Andreas Höher (Geschäftsbereichsleiter Defense & Aerospace), Dr. Martin Kügler (Abteilungsleitung), Susanne Yigitce, Uri Selich (Industry Solutions)

Ausblick: Digitale Souveränität als Gestaltungsaufgabe

Die sicherheitspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre werden sich weiter dynamisieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Resilienz, Informationssicherheit und souveräne digitale Fähigkeiten. Für Streitkräfte, Behörden und Betreiber Kritischer Infrastrukturen bedeutet dies, dass Interoperabilität zunehmend zu einer strategischen Fähigkeit wird. Erfolgreiche Sicherheitsarchitekturen müssen in der Lage sein, Informationen über Organisations-, Technologie- und Domänengrenzen hinweg nutzbar zu machen ohne Abhängigkeiten zu schaffen oder die Kontrolle über sensible Daten aufzugeben.

Hierfür sind vertrauenswürdige Informationsräume erforderlich, die auf sicheren Entwicklungsprinzipien, modernen kryptographischen Verfahren und resilienten Architekturansätzen basieren. Die Diskussionen auf der Innovationstagung Cyber/IT haben gezeigt, dass diese Themen längst nicht mehr Zukunftsmusik sind, sondern bereits heute aktiv gestaltet werden müssen. Interoperabilität ist deshalb keine technische Zusatzfunktion und kein Komfortmerkmal moderner IT – sie ist die Grundlage digitaler Souveränität, wirksamer Zusammenarbeit und letztlich auch die Voraussetzung für erfolgreicher Führungsfähigkeit.

Wer die Verteidigung von morgen gestalten will, muss daher nicht nur Systeme digitalisieren, sondern ihnen ermöglichen, sicher und vertrauenswürdig miteinander zu kommunizieren. Genau darin liegt eine der entscheidenden Herausforderungen und zugleich eine der größten Chancen der digitalen Transformation im Sicherheits- und Verteidigungssektor.