GSÖ-Studie 2026
Gesamtstaatliche Sicherheit braucht vernetzte Systeme
GSÖ-Studie 2026 - Gesamtstaatliche Sicherheit braucht vernetzte Systeme
Mit der Studie „Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030“ untersucht die AFCEA Bonn e.V., wie Deutschland seine Handlungsfähigkeit in Krisen- und Sicherheitslagen verbessern kann. Als Supporting Partner hat sich die msg-Gruppe an der Entstehung der Studie beteiligt und ihre Expertise an den Schnittstellen von ziviler Gefahrenabwehr, Streitkräften und Enterprise Architecture eingebracht. Die zentrale Erkenntnis der Studie: Deutschland verfügt grundsätzlich über zahlreiche Fähigkeiten, Einzelsysteme und Akteure. Doch zwischen Behörden, staatlichen Ebenen und technischen Lösungen entstehen immer wieder Brüche. Informationen sind vorhanden, können aber nicht durchgängig genutzt, weitergegeben oder in operative Prozesse integriert werden.
Die Kernbefunde: Wo die gesamtstaatliche Resilienz stockt
Die Untersuchung basiert auf 55 Interviews und einer Befragung von 72 Anwendern und Technologieanbietern. Sie identifiziert zentrale strukturelle Hürden, die eine koordinierte Gefahrenabwehr erschweren:
- Die Verkettungslücke
81 Prozent der betrachteten Marktlösungen entfallen auf die Enden der Wirkungskette, also das Erfassen von Daten oder das punktuelle Handeln vor Ort. Für das Zusammenführen zu einem bewerteten Lagebild und die koordinierte Führungsentscheidung existieren kaum einsatzreife Verfahren.
- Systemreife im Rückstand
Im internationalen Reifegrad-Vergleich über zehn Dimensionen erreicht Deutschland nur 14 von 30 Punkten. Der größte Rückstand liegt dabei nicht in der Technik, sondern in fehlenden ressortübergreifenden Führungs- und Orchestrierungsmandaten.
- Zivil-militärische Schnittstellen als Belastungsprobe
Während der militärische Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU) ausgearbeitet ist, fehlt ein gleichwertiger ziviler Gegenpart. Im Bündnis- oder Spannungsfall steht die gewohnte zivile Amtshilfe durch die Bundeswehr nicht zur Verfügung. Die Streitkräfte werden selbst auf zivile Versorgungs-, Verkehrs- und Gesundheitsinfrastrukturen angewiesen sein.
Gesamtstaatliche Sicherheit verlangt weder neue Großbehörden noch eine Verschiebung grundgesetzlicher Kompetenzen. Entscheidend ist eine „Wirkungsarchitektur“, die bestehende Systeme und Träger über verbindliche Rollen, abgestimmte Priorisierungsregeln und standardisierte Schnittstellen handlungsfähig macht.
Unser Beitrag als Partner
Als langjähriger IT-Partner im öffentlichen Sektor und im Verteidigungsbereich unterstützen wir diesen Prozess aus Überzeugung. In den Expertenworkshops der Studie lag unser Fokus darauf, wie föderale Strukturen, BOS-Organisationen und die Bundeswehr verlässlich zusammenwirken können, ohne gewachsene Verantwortlichkeiten aufzugeben. Erst wenn einheitliche semantische Schnittstellen und klare Datenhoheiten vereinbart sind, kann aus vielen dezentralen Lagebildern eine gemeinsame Lageübersicht entstehen.
Technischer Impuls: msg.Relais verbindet zivile und militärische Lagebilder
Wie eine solche lose, aber verlässliche Kopplung architektonisch umgesetzt werden kann, veranschaulichen wir anhand eines konkreten Lösungsansatzes. Mit msg.Relais zeigen wir eine leichtgewichtige Data-Streaming- und Transformationsschicht. Sie fungiert als semantische Brücke zwischen zivilen Standards (wie DV 102 im Katastrophenschutz) und militärischen Führungssystemen (wie NATO APP-6 oder MIL-STD-2525). Die Kernmerkmale dieses Ansatzes spiegeln die Prinzipien der Studie wider:
- Kein Systemaustausch: Bestehende Anwendungen der Leitstellen und Lagezentren bleiben unberührt.
- Wahrung der Datenhoheit: Die Daten verbleiben bei den jeweiligen Organisationen; der Informationsaustausch erfolgt rein regelbasiert und rollenspezifisch über föderierte Strukturen.
- Praxiserprobte Übersetzung: Der Demonstrator, der auf der Innovationstagung des BMVg an der Universität der Bundeswehr München mit dem 3. Platz prämiert wurde, zeigt die automatisierte Übertragung zwischen unterschiedlichen Systemwelten (u. a. LAGEskizze und SitaWare).
msg.Relais befindet sich aktuell im Testing.
Handlungssicherheit vor der Krise schaffen
Echte Handlungsfähigkeit entsteht nicht durch ein weiteres Einzelsystem. Sie entsteht dort, wo bestehende Fähigkeiten, Organisationen und Informationen zuverlässig miteinander verbunden werden. Die AFCEA-Studie liefert dafür den Fahrplan bis 2030. Wir werden diesen Dialog zwischen Politik, Behörden, Streitkräften und Industrie weiterhin aktiv begleiten, konzeptionell, pragmatisch und mit einem technologieoffenen Ansatz.